Schwedisch Lappland |
| 23.04.2009, Robert Reischl, |
Ende März bin ich einer Einladung nach Kiruna in Schwedisch Lappland gefolgt. Ich war zuvor noch nie nördlich des Polarkreises und war schon vor Abreise gespannt was mich im Winter in Lappland erwarten wird. Am 26. März war es dann soweit. Mit Austrian flogen wir mittags nach Stockholm. Dort angekommen ging es in knapp 20 Minuten mit über 160 km/h per Arlanda Express ins Zentrum von Stockholm. Wir besuchten die Ice Bar im Nordic Sea Hotel und gönnten uns ein ausgiebiges Abendessen. Weil noch diesen Abend sollte es per Nachtzug der SJ - Schwedische Staatsbahnen nach Kiruna gehen. Das sind immerhin knapp 1.500 km Richtung Norden, welche in 17 Stunden zu bewältigen sind.  Die 2-Bett Schlafwagen Abteile waren angenehm mit privatem WC und Dusche. Im Nachhinein gesehen war die Bahnfahrt in Ordnung und gegen die Schwedischen Staatsbahnen ist nichts einzuwenden, ich persönlich jedoch würde beim nächsten Mal trotzdem in ein Flugticket investieren. Scandinavian Airlines, welche wir bei der Rückreise gebucht hatten, fliegt die Strecke in ca. 90 Minuten.
 Am nächsten Tag zu mittag erreichten wir ausgeschlafen die Stadt Kiruna, unsere Basis für die kommenden Tage. Die Landschaft war tief verschneit. Unsere Unterkunft, das Arctic Eden Hotel machte einen sehr gepflegten Eindruck. Die Einrichtung ist Nach kurzem Frischmachen stand das erste "Soft Adventure", nämlich eine Motorschlittenfahrt auf dem Programm. Spezialkleidung für tiefe Temperaturen bekommt man überall zur Verfügung gestellt. Mit normaler Winterkleidung, wie bei uns üblich, kommt man also gut durch. Nach kurzer Einweisung bekommt man einen Motorschlitten und es geht los. Ein Guide fährt an der Spitze und die Gruppe hinterher. Es geht durch sehr, sehr schöne Winterlandschaft und über zugefrorene Seen. Meine freiwillig gewählte Höchstgeschwindigkeit auf dem See war knapp über 100 km/h. Durch Wald und Wiese geht es geht es natürlich gemütlicher mit etwa 25 km/h. Ein sehr nettes Erlebnis, welches ich nicht missen möchte.  Zu den weiteren Highlights in Schwedisch Lappland zählt eine Hundeschlittensafari. Man steht hinten auf den Kufen am Schlitten und wird von den Huskies durch den Wald gezogen. Die Hunde kennen den Weg und man kann sich auf die Landschaft konzentrieren. Einzig einbremsen muss man die Hunde weil sie immer laufen wollen und etwas auf das eigene Gleichgewicht ist zu achten. Die Geschwindigkeit ist in der Regel aber nicht höher als 25 km/h, das gibt einem die Möglichkeit die Fahrt wirklich zu geniessen.
 Die ebenfalls übliche Rentierschlittenfahrt wurde unerwarteter Weise zur schwierigsten Prüfung. Erwartet hatte ich eine gemütlich Fahrt mit dem Schlitten, ähnlich der in einer Pferdekutsche. Es kam aber ganz anders. Die Schlitten sind für maximal 1 Person geeignet, man ist also alleine mit dem Rentier unterwegs. Man kniet auf dem Schlitten, das Rentier ist vorne angebunden und es geht los. Mein Rentier startete gleich mit "Höchstgeschwindigkeit" und ich hatte Mühe mich auf dem Schlitten zu halten. Es gab 2 Schlitten, man fuhr eine Runde von knapp 1 Kilometer und die anderen Teilnehmer schauten in der Zwischenzeit zu. Jedenfalls wurde es für die Zuseher eine sehr amüsante Veranstaltung. Die Rentiere sind ziemlich schwierig unter Kontrolle zu halten. Manche laufen sehr schnell, manche haben eher gar keine Lust zu laufen. Fix weiß man es erst wenn der Guide das Rentier loslässt.
 Als weiteres Highlight zu erwähnen wäre noch das bekannte Icehotel in Jukkasjärvi. WIr verbrachten dort 1 Nacht. Das Icehotel wird jeden Herbst neu aufgebaut. Zahlreiche Künstler aus der ganzen Welt sind bei der Gestaltung der Zimmer und Räume engagiert. In den Zimmern hat es minus 6 Grad Celsius. Wie funktioniert das nun, wurde ich schon oft seit meiner Rückkehr gefragt. Hält man das aus? Ist die Klomuschel auch aus Eis? Frieren die Sachen im Koffer ein? Diese und zahlreiche andere Fragen fallen immer wieder, deswegen möchte ich an dieser Stelle kurz erzählen wie es war: Man bekommt sein Zimmer und gleichzeitig einen versperrbaren Kasten für sein Gepäck zugewiesen. Dort sperrt man sein Gepäck ein und schaut sich am besten einmal das Hotel an. Zu sehen gibt es nämlich viel. Jede der Ice Suiten ist anders gestaltet. Im Trakt mit den Zimmern ist einfach alles aus Eis und Schnee. Es gibt eine Kirche aus Eis, die Gänge im Hotel und eine Icebar. Alles ist sehr schön gestaltet und man kommt aus dem Staunen kaum raus. Immer wieder finden sich Details wie Luster, Teller, Gläser, Tische, Sessel etc. aus Eis, welche man nicht erwartet hätte. Gleich hinter dem Hotel ist der Torne Fluß, aus dem die Eisblöcke geschnitten werden. Man kann auch zuschauen wie die Eisblöcke in einer kleinen Halle nebenan fachmännisch bearbeitet werden. Nachdem man dann alles besichtigt hat und in einem wohlig warmen Restaurant sein Abendessen zu sich genommen hat, wird es ernst. Die Nachtruhe steht bevor. In den warmen Umkleideräumen mit den Kofferschließfächern zieht man sich seinen mitgebrachten Pyjama an und sperrt seine Sachen wieder weg. Selbstverständlich gibt es auch gepflegte Duschen und Waschräume, welche beheizt sind. Dann geht man zur Rezeption und fasst für die Nachtruhe seinen Schlafsack aus. Dieser ist für die Minusgrade natürlich geeignet und ein Modell bei welchem nur das Gesicht im Freien ist. Das Bett ist eine Art Lattenrost belegt mit einem Rentierfell, eingebettet in Eis. Im Schlafsack ist es natürlich recht warm und die meisten unserer Gruppe haben gut geschlafen. Ein einmaliges Erlebnis und es hat alles gut funktioniert. Empfehlenwert ist 1 Nacht im Eiszimmer und weitere Nächte gleich nebenan in den zum Hotel zugehörigen geheizten Zimmern zu verbringen. Aber gesehen muss man es haben wenn man in der Gegend ist. Sehr schön während der Lappland Reise war noch die Fahrt mit der Kiruna Bahn nach Narvik in Norwegen an die Atlantikküste. Man fährt ca. 2 Stunden durch wunderschöne Landschaft über Berge und kommt schließlich auf Meeresniveau in Narvik an. Die Bahntrasse verläuft wunderschön entlang eines Fjordes und man hat fast die ganze Fahrt einen traumhaften Ausblick. Am meisten fasziniert hat mich die Weite der Landschaft ohne irgendwelche Grundstücksgrenzen oder Siedlungen. Es gibt auch Schipisten, Eisfischen und man sieht immer wieder Elche und Rentiere. Zurück ging es per Flug von Kiruna via Stockholm mit Scandinavian Airlines und Austrian. Alles in Allem eine Reise für Menschen die gerne Zeit in der Natur verbringen welche mir sehr gut gefallen hat. Ich werde sicherlich wiederkommen!

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